Ernährung in der Schwangerschaft
Von Helmut Magel, Wuppertal
Im folgenden wird ein kurzer Überblick gegeben, der die wichtigsten Gesichtspunkte der Ernährung während der Schwangerschaft anspricht, jedoch keineswegs vollständig sein kann. Bei allen diätetischen Empfehlungen kommt es letztlich auf die individuelle Diagnose an.

1. Produktion und Speicherung von Blut (Xue)
Innerhalb der Traditionellen Chinesischen Medizin sind zwei Gesichtspunkte in Bezug auf die Frau und die Schwangerschaft besonders hervorzuheben:
Erstens ist von allen Speicherorgan-Funktionsbereichen (Zang) der Funktionsbereich Leber (Gan) für sie von goßer Bedeutung, insbesondere in seiner Funktion der Speicherung des Blutes, das wiederum vom Funktionsbereich Herz (Xin) bewegt wird.
Die Pathologie der Frau tendiert allgemein zwischen Blut-Leere und Blut-Stagnation (besonders im unteren San Jiao), beides Syndrome, die mit dem Funktionsbereich Leber zusammenhängen. Vom 1. bis 5. Schwangerschaftsmonat sollte vor allem das Blut (Xue) gestützt werden, der Funktionsbereich Leber stabilisiert und das Leber-Yin ergänzt werden. Frauen sind Yin und haben generell relativ mehr Energie (Qi) als Blut (Xue). Frauen menstruieren vom Ende des 2. Jahrsiebtes bis zum Ende des 7. Jahrsiebtes und verlieren deshalb zyklisch Blut. Männer sind Yang und haben relativ mehr Blut als Qi (der Bartwuchs ist ein äußeres Zeichen davon). Männer verlieren Jing beim Sex, ihr Blut neigt zu Stagnation (besonders im oberen San Jiao).
In jedem Schwangerschaftsmonat wird der Fötus durch eine bestimmte Leitbahn der Mutter genährt. Es gibt 12 Leitbahnen, jedoch nur 10 Mondmonate Schwangerschaft. Die davon ausgenommenen Leitbahnen sind die von Herz und Dünndarm, denn das Herz als Kaiserin der Organe kontrolliert fortwährend die Gefäße. Der Dünndarm bereitet die Milch-Produktion in der Schwangerschaft vor. Im ersten Schwangerschaftsmonat ernährt die Leber-Leitbahn der Mutter den Embryo.
In der ganzen Zeit der Schwangerschaft haben die beiden Außerordentlichen Gefäße Ren Mai und Chong Mai eine besonders wichtige Funktion, weil über sie die Ernährung des Fötus gesichert wird. Der Chong Mai wird als das Meer der 12 Leitbahnen bezeichnet und ist die "Hauptverkehrsstraße" (Chong) für Qi und Xue im menschlischen Organismus. Ren Mai - auch übersetzt mit Konzeptionsgefäß - gilt als das Meer des Yin, ihm obliegt die Kontrolle und Harmonisierung der gesamten Yin-Energien des Körpers.
Da die Menstruation in der Zeit der Schwangerschaft aussetzt, befinden sich die beiden Gefäße in relativem Überfluß. Der Ren Mai reguliert in Zusammenarbeit mit dem Chong Mai die reproduktiven Funktionen der Frau, d.h. Menstruation, Empfängnis, Schwangerschaft und Menopause. Ren Mai ist dabei für das Eintreten und die Regelmäßigkeit der Menstruation, für die Versorgung der Gebärmutter mit Qi und Jing und die Ernährung sowie Entwicklungssteuerung des Fötus in der Schwangerschaft verantwortlich.
Das Blut bzw. Yin sammelt sich so im unteren Teil des Körpers der Frau, während das Yang-Qi sich nach oben hin konzentriert. Das führt dazu, daß Schwangere sich eher warm fühlen. Der gesamte Körper tendiert infolgedessen zu einer relativen Yin- und Blut-Leere. Das nach oben und außen fließende Yang-Qi fördert aber auch die Abwehrkräfte, die auf diese Weise den Fötus mit schützen.
Zweitens ist der Funktionsbereich Milz (Pi) insbesondere in seiner Funktion der Bildung und Kontrolle des Blutes lebenswichtig. Indem dieser Funktionsbereich Nässe verabscheut, sind Nahrungsmittel nötig, die die Milz stützen und nicht durch Nässe belasten bzw. geeignet sind, überschüssige Nässe ausleiten. Die Milz stellt das "nachhimmlische" Qi (nachdem wir zum ersten Mal den Himmel gesehen haben) bereit, ernährt die Gebärmutter und hält das Blut in den Gefäßen. (Blutungen in der Schwangerschaft hängen häufig mit einem Milz-Qi-Mangel zusammen.)
Nach dem fünften Schwangerschaftsmonat sollte in erster Linie darauf geachtet werden, die Funktionbereiche Niere (Shen) und Milz zu ergänzen und zu nähren, da die konstitutionellen Reserven der schwangeren Frau gestützt werden sollten.
2. Diätetik zur Stützung zur Mitte
In der Chinesischen Medizin geht es grundsätzlich darum, das energetische Gleichgewicht zwischen den Yin- und Yang-Kräften zu wahren und im Falle einer Störung die Ausgewogenheit wieder herzustellen. Der mit Hilfe der Acht Leitkriterien (Ba Gang) ermittelten diagnostischen Befunde entsprechend, wird das was energetisch leer ist, gefüllt, und das was energetisch voll ist, geleert. Da wo Hitze ist, wird gekühlt - und umgekehrt, wo Kälte ist, wird erwärmt usw. Therapeutisch können wir uns dazu der Energetik der Nahrungsmittel bedienen, die wir bestimmen können nach
- dem Temperaturverhalten (wärmend, kühlend, neutral),
- dem Geschmack (sauer, bitter, süß, scharf und salzig),
- der Wirkrichtung (emporsteigend, absenkend, nach außen oder nach innen gehend) und
- dem Funktionskreis- bzw. Leitbahnbezug (Einwirkung auf einen oder mehrere Funktionsbereiche).
Der gezielte Einsatz von Nahrungsmitteln zur Prävention bzw. Heilung beinhaltet zum einen die Empfehlung und zum anderen den Ausschluß bestimmter Nahrungsmittel und deren Zubereitungsart.
Was heißt das nun in Bezug auf die Ernährung in der Schwangerschaft?
Wie oben erwähnt, drängt das Blut der inneren Organe (Zang) und der Leitbahnen (Jing Luo) in den Chong Mai und Ren Mai, was im übrigen Körper zu einer relativen Yin- und Blut-Leere führt - und umgekehrt zu einer relativen Yang-Qi-Fülle. Deshalb sind in der Schwangerschaft vom Geschmack her scharfe und im Temperaturverhalten trocknende und Hitze entwickelnde Nahrungsmittel wie Alkohol, trockener Ingwer, Pfeffer, Zimtrinde, Chilie, roher Knoblauch zu meiden bzw. mit Zurückhaltung zu benutzen. Das Scharfe wirkt
zerstreuend,
bahnbrechend (Durchblutung fördernd, Blutstasen beseitigend),
wärmend oder erhitzend,
schweißtreibend,
entfaltend,
die Oberfläche öffnend,
die aktiven Energien (Qi) mobilisierend.
Diese, vor allem als Gewürze benutzten Nahrungsmittel, verbrauchen oder schädigen Yin-Flüssigkeiten und können den Fötus oder die Schwangerschaft gefährden. Sie verstärken das ohnehin nach oben steigende Yang-Qi bei der Schwangeren.
Indem der Fötus durch das Blut der Mutter genährt wird, ist es besonders wichtig, daß die Diät die Blut-Bildung sowohl für die Schwangere als auch für den Fötus unterstützt.
In den meisten Fällen heißt das zunächst, die Funktionsbereiche der "Mitte" (Milz und Magen, die beide zur Wandlungsphase der Erde und somit zur Mitte gehören) zu unterstützen, die Tag für Tag dafür verantwortlich sind, die aktive Energie Qi und und das stofflich enrgetische Potential Xue aus den Feinstteilen der Nahrung, die wir essen, herauzufiltern und im Organismus zu verteilen. Es heißt: "Wer sich auf die Behandlung der Funktionskreise der Mitte versteht, vermag alle Funktionskreise aufeinander abzustimmen." Der Funktionsbereich Leber produziert selbst keine Energie, sondern speichert das Blut und sorgt für den reibungslosen Fluß des Qi.
Den Funtionsbereich Milz unterstützen heißt, mehr warme, nährende, weniger kalte und rohe Nahrungsmittel essen. Schwangerschaft ist nicht die Zeit des Fastens oder des Ausleitens von Giften aus dem Körper. Im Vordergrund steht das stärkende, unterstützende und nährende gegenüber dem ausleitenden oder eliminierenden. Die Speisen sollten allgemein leicht verdaulich sein. Je höher der Brennwert (Kalorienwert), desto schwerer verdaulich sind die Nahrungsmittel und können Verstopfung, Völlegefühl und Reizbarkeit hervorrufen.
3. Nahrungsmittel und ihre energetische Wirkrichtung
In dem Zusammenhang sind noch einige Bemerkungen zum Verhältnis der Nahrungsmittelgruppen untereinander notwendig. Nach klassischer chinesischer Auffassung sollte folgendes Verhältnis angestrebt werden:
50 - 60 % Getreide und Hülsenfrüchte (Su Wen: "Die fünf Getreidearten - einschl. Hülsenfrüchte und Nüsse - nähren und stützen das Gu Qi in besonderer Weise.")
20 - 30 % gekochtes Gemüse
5 % Rohkost
5 % rotes oder weißes Fleisch oder Fisch
3 - 5 % Milch und Milchprodukte.
Die Verdauung ist ein Oxydationsprozeß, der Hitze erfordert. Insofern ist es vorteilhaft, überwiegend gekochte Nahrung und einen größeren Anteil an energetisch warmen Nahrungsmitteln zu essen, um das "Verdauungsfeuer" der Mitte nicht zu schwächen. Übrigens stellte sich auch der griechisch-römische Arzt Galenus von Pergamon den Verdauungspozeß als - vier - Kochungs-Stufen vor (Verdauung giech. pepsis = Kochung). Nahrungsmittel müssen auf Körpertemperatur erwärmt werden, bevor die Funktionskreise Magen und Milz sie in Qi und Blut umwandeln können. Deshalb ist es wichtig, vorwiegend warm zu essen, gekochtes und weniger rohes, gefrorenes oder termisch kalte Nahrungsmittel. Kalte und rohe Nahrungsmittel erfordern mehr Verdauungsarbeit von der Mitte und lassen zu wenig Energie für den Umwandlungsprozeß von Qi und Blut übrig.
Die Speisen sollten natürlich so frisch wie möglich zubereitet werden, weil frische Nahrungsmittel am meisten Qi besitzen, und Qi ist notwendig, um Blut zu produzieren. Gekochte Nahrungsmittel, die eingefroren und später wieder erwärmt werden, verlieren an Qi. Am besten ist es, Nahrungsmittel innerhalb von 24 Stunden nach dem Kochen zu verzehren.
a. Getreide
Von den sieben wichtigsten Getreidearten, die uns zur Verfügung stehen, gehören Reis, Hirse, Weizen und Mais(grieß) zu denen, die am leichtesten verdaulich sind. Am besten geeignet zur Stärung der Mitte ist der Rundkornreis (Oryza sativa japonica), der vom Temperaturverhalten neutral, vom Geschmack her süß ist und damit die Funktionsbereiche Milz und Magen am nachhaltigsten zu stärken in der Lage ist. Wirkungen des Rundkornreises:
Qi stützend,
Milz kräftigend,
Magen harmonisierend, so Unruhe und Durst beseitigend,
Diarrhoe beseitigend.
Das Süße wirkt:
- befeuchtend, Säfte spendend
- tonisierend (bei Schwächezustände stärkend)
- stützend, aktive Energie spendend
- regulierend,
- ausgleichend, harmonisierend
- mildernd (akute Zustände, Geschmäcker), puffernd,
- beruhigend,
- entspannend.
Es heißt: Das Süße geht zuerst zur Milz. Süß stärkt das Milz-Qi, aber zuviel davon schädigt es. Süß ist für jedes Organ der beste Geschmack, um das Yin zu tonisieren, da er der am meisten befeuchtende von allen Geschmäckern ist. Getreide gehören grundsätzlich eher zum süßen Geschmack, sie harmonisieren, gleichen aus. Vermehrter Salzkonsum führt zu vermehrtem Verlangen nach Süßem und umgekehrt. Wenn das Milz-Qi durch zuviel Süßes geschwächt wird, dann wird die Feuchtigkeit nicht transformiert und die Lunge füllt sich mit Schleim. Schleim in der Lunge führt zu Stagnation im oberen San Jiao.
Zu den empfehlenswerten Getreiden gehört auch die Rispenhirse, die "Echte Hirse" (Panicum miliaceum L.). Sie ist neutral bis warm und süß (und salzig) und hat folgende Wirkrichtungen:
Qi stützend,
Mitte stärkend,
Qi und Blut tonisierend,
diuretisch,
Nieren stärkend,
Yin-Säfte vermehrend,
Trockenheit befeuchtend.
Mit westlichen Kriterien betrachtet, besitzt die Hirse am meisten Mineralien und Spurenelemente zur Stärkung und Nährung der Haut, Knochen und Haare.
Im Falle von starker Unruhe und Hitze-Symptomen ist eher der Weizen (Triticum aestivum L.) angesagt, der kühlend wirkt, vom Geschmack süß und salzig ist; letzteres, weil er eine Wirkung auf die Nieren hat und der salzige Geschmack der ist, der die Nieren nährt. Hier ist jedoch das ganze Korn bzw. das frisch gemahlene oder geschrotete Korn gemeint, nicht das Weizen-Auszugsmehl. Weizen wirkt auf Milz, Herz, Niere. Seine Wirkrichtungen sind:
Herz stützend
Milz und Niere stärkend
Unruhe und Hitze besetigend
Hitze kühlend
Durst stillend,
Säfte aufbauend,
diuretisch,
Schweiß zurückhaltend,
Muskeln stärkend,
Yin nährend.
Weizen ist angezeigt bei Erregungs- und Angstzustände (Gemütslabilität wie häufige Bedrücktheit, Traurigkeit, Neigung zum Weinen; Desorientiertheit, Entschlußlosigkeit, innere Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit), Unruhe aufgrund von Hitze.
Reis, Hirse und Weizen lassen sich gut für zwei Tage im voraus kochen und besonders gut morgens für ein Müsli einsetzen. Ein kleiner, in Stücke geschnittener Apfel wird mit etwas Butter und einigen Mandeln oder Walnüssen erwärmt, dazu gibt man roten Traubensaft oder (wenn keine Schleim- oder Nässe-Belastung vorliegt) auch etwas Milch. Der Apfel läßt sich auch durch Weintrauben ersetzen, je nach Jahreszeit. Das Müsli sollte warm gegessen werden. Statt gekochter Weizen- oder Hirsekörner kann man auch frisch gemahlenes Mehl als Brei kochen mit den genannten Zutaten.
Die Energetik und Wirkrichtung der genannten Nahrungsmittel sieht folgendermaßen aus:
- Butter (süß, warm, tonisiert Qi und Blut, wärmend)
- Mandeln (Prunus armeniacae; süß, neutral, Lungen-Yin stärkend, befeuchtend, erschwertes Atmen erleichternd, Mitte stärkend, Schleim lösend, Darm befeuchtend)
- Walnüssen (Juglans regla; süß, leicht warm, Blut und Qi tonisierend, Nieren kräftigend, Lungen wärmend und kräftigend, Qi und Blut nach Entbindung fördernd)
- Weintraube (Vitis vinifera; süß und sauer, Qi und Blut tonisierend, Sehnen und Knochen stärkend, die Harnausscheidung förderdernd, den Willen stärkend, Leber und Galle regenerierend, Gehirn- und Zellregeneration fördernd)
- Apfel (Fructus malus; süß, kühl, erfrischend, Qi und Blut tonisierend, Hitze kühlend, Yang absenkend, (Leber-) Yin tonisierend, Lunge befeuchtend, Depressionen beseitigend, appetitanregend)
- (Kuh-) Milch (süß, neutral bis kühl, Qi und Blut tonisierend, Leere füllend, positiv auf Lunge und Magen wirkend, Produktion der Körpersäfte fördernd, Darm befeuchtend, schleimbildend und so Milz-Qi-Schwäche weiter verstärkend, mit Honig zusammen trockenen Husten/Hitze lindernd, Magen kühlend und befeuchtend).
Milchprodukte sollten - aus der Sicht der TCM - nur mäßig eingenommen werden. Wenn eine Frau an Symptomen wie laufende Nase, Druckgefühl im Brustkorb, übermäßigem Ausfluß oder Tendenz zu Übergewicht leidet, sollten Milchprodukte ganz oder zeitweise gemieden werden, weil sie zu eine zu große Nässe-Belastung darstellen. Quellen von Calcium und anderer Mineralien sind: dunkelgrünes Blattgemüse (Grünkohl, Mangold), Fisch, Nüsse, Fleisch, Meeresgemüse, die wenig oder gar keine Feuchtigkeit im Körper erzeugen.
Ausweichen läßt sich auch auf die Sojamilch, die Milz und Magen stärkt, die Lungen kühlt, Trockenheit befeuchtet, die Diurese fördert und Schleim umwandelt. Mit ihr läßt sich sogar Hypertonie während der Schwangerschaft absenken und Ödeme beseitigen.
b. Hülsenfrüchte
Geeignete Hülsenfrüchte sind vor allem Adzukibohnen (Phaseolus calcaratus oder Phaseolus angularis), die recht klein, braun bis schwarz gefärbt und sehr mild sind. Sie wirken stärkend auf den Funktionsbereich Milz, aber auch auf Dünndarm und Herz. Ihre Wirkrichtungen:
Milz stärkend,
Toxinen entgegenwirkend, Eiter ausleitend, entgiftend,
Nässe ausleitend/diuretisch,
Schwellungen beseitigend,
Hitze kühlend,
Xue-Stasen zerstreuend,
Nieren stärkend,
Diabetes lindernd (> Kochwasser 3 x tägl. trinken).
Hier sind zwei wichtige Wirkungen (Toxine ausleitend, Nässe ausleitend), die noch thematisiert werden. Es gibt ein klassisches Rezept von Wang Tao aus dem Jahre 752 "Karpfensuppe mit Adzukibohnen" (täglich morgens heiß) gegen Schwellungen und Ödeme in der Schwangerschaft.
Eine andere in Frage kommende Bohnensorte ist die Saubohne oder Dicke Bohne (Vicia faba). Sie ist süß (scharf) und wirkt
stützend die Mitte,
Nässe ausleitend,
Blutungen (auch während der Schwangerschaft) stillend.
Desweiteren kommen Linsen und Erbsen in Frage, letztere nur frisch und im Sommer. Gerade für Frauen, die wenig oder gar kein Fleisch zu sich nehmen, sind die Hülsenfrüchte wichtige Proteinquellen. Bohnen und Linsen lassen sich - besonders im Sommer oder zur Kühlung von Hitze-Zeichen - auch gekocht als Salat zubereiten und mit frischem Gemüse angereichern, z. B. Frühlingszwiebel oder kleinen Mengen grüner Praprikaschote und einer Gewürzgurke.
- Linsen (Lens culinaris; süß, etwas warm; Verdauung harmonisierend, Magen stärkend, rebellierendes Qi absenkend, das Herz und die Blutzirkulation stützend, Essenz (Jing) stärkend, Sommerhitze kühlend)
- Erbsen (Pisum sativum; süß, neutral, Qi und Blut tonisierend, den Mittleren Erwärmer harmonisierend (Aufbau in Rekonvaleszenz), gegenläufiges Qi verringernd (Hitze-Unruhe), Qi absenkend, harntreibend und abführend, Nässe ausleitend).
c. Fleisch
Aus Sicht der TCM tun Schwangere gut daran, kleine Mengen tierischen Eiweißes zu sich zu nehmen, da es leichter ist, aus gut gekochten, leicht verdaulichen tierischen Produkten Blut zu bilden als aus vegetarischen Produkten. Kleine Mengen Fleisch, das heißt hier 3 bis 4 mal wöchentlich jeweils 70 bis 100 g Fleisch in Form von Suppen, Fleischbrühen oder Eintöpfen, da diese Formen am leichtesten verdaulich sind und auch für Frauen annehmbar sind, die ansonsten kein Fleisch essen. Fleisch von Säugetieren (Rind) und Geflügel (Huhn) hat im allgemeinen eine warmes, ausgewogenenes Temperaturverhalten und ist süß im Geschmack - und süß steht hier für den Bezug zur Mitte. Eier sind ebenfalls sehr nahrhaft und können mit in den normalen Speiseplan einbezogen werden. Man sollte darauf achten, daß Hähnchen nicht die Hauptform tierischer Proteine im Speiseplan werden, weil ihr Temperaturverhalten eher heiß ist. Ihr übermäßiger Genuß kann zu Fülle-Hitze im Körper führen. Es ist günstiger, verschiedene Fleischsorten zu essen.
- Rindfleisch (süß, neutral; Qi und Blut und Yin tonisierend, Magen/Milz stärkend, Sehnen und Knochen nährend)
- Huhn (süß, warm; Qi und Blut tonisierend, Yang stützend, Blut-Stagnation beseitigend, Kälte austreibend, Yin treibend, den Mittleren Erwärmer wärmend, Eingeweide stärkend, Jing tonisierend, Knochenmark füllend).
Fleisch sollte als Bestandteil von Gemüse-Suppen, Fleischbrühen, Eintöpfen gegessen werden, zusammen mit gelbem Gemüse wie Möhren, Pastinake, Petersilienwurzel, Steckrübe, Kürbis und Eßkastanien (Maronen). Eine bewußte Diät, die gekochte Nahrungsmittel, davon besonders Gemüse, Getreide und kleine Mengen Fleisch umfaßt, ist durchaus angemessen. Früchte (am besten Äpfel und Kirschen) sollten in kleinen Mengen gegessen werden. Aber übermäßig viele Säfte, besonders von Zitrus-Früchten, löschen die natürliche Hitze des Magens, was eine Verlangsamung der Verdauung und die Bildung von Nässe-Fülle im Körper zur Folge hat. Dies kann zu Müdigkeit, Qi-Stagnation und starker Gewichtszunahme führen.
Die Suppen können folgendermaßen zubereitet werden: Fleisch und Markknochen werden gut 2 Stunden ausgekocht. Bei viel ausgekochtem Fett sollte man die Brühe kalt stellen und das hartgewordene Fett abnehmen. Anschließend werden in der Brühe die Wurzel- oder Knollengemüse so lange gekocht (das Harte zuerst reingeben) bis es weich ist. Zur Stützung des Yin können Algen mitgekocht werden, z.B. Kombu-Streifen (Laminaria digitata) oder Hijiki-Algen, die übrgiens nicht nur in Fernost, sondern auch z.B. in der Bretagne geerntet werden. Vor dem Kochen werden die (ca. 5-15 g) getrockneten Algen eingeweicht und gewässert. Kurz vor Fertigstellung der Suppe können ihr auch im Handel erhältliche Algenflocken zugegeben werden. Bei Schilddrüsen-Erkrankungen ist wegen des hohen Jod-Gehaltes der Algen Vorsicht angebracht, weshalb Algen in Deutschland nur als "Badezusatz" verkauft werden dürfen. Mitgekocht werden kann stets eine Handvoll Getreidekörner. Die Suppe läßt sich dann portioniert in geeigneten Behältnissen einige Tage im Kühlschrank aufbewahren, sodaß täglich ein Teller davon gegessen werden kann. Wenn die Schwangere keinen Appetit auf täglich eine Suppe hat, läßt sich die Suppe durch ein Sieb passieren und kann dann als reine Brühe getrunken werden.
Zu Meerestieren ist noch zu erwähnen, daß Krebse, Krabben und Garnelen in der Schwangerschaft kontraindiziert sind, da sie das Blut stark dynamisieren.
Außer dem erwähnten Karpfen sind Barsch und - insbsondere nach der Entbindung - Tintenfisch gut, um das Leber-Yin zu stützen, das Blut zu nähren und emporschlagendes Yang zu besänftigen. Barsch beruhigt zudem den Fötus.
d. Gemüse
Die Wirkrichtungen der als Bestandteil der Suppen bzw. Eintöpfe genannten Gemüse sind:
- Möhren/Karotte (Daucus carota; süß, neutral / roh: Tendenz zur Kühle; Milz stärkend, Wachstum fördernd, Shen, Gedächtnis, Konzentration fördernd, Ansammlungen auflösend (antikancerogen), Sehkraft verbessernd, Wachstum von Haut und Schleimhäuten fördernd, rebellierendes Magen-Qi absenkend, Durchfall lindernd, Durst stillend, Hitze kühlend, entgiftend)
- Pastinake (Pastinaka sativa; süß, warm; Milz stärkend, schweißtreibend, Wind und Nässe ausleitend, Schmerz stillend, Magen, Darm und Lungen stärkend, Shen beruhigend)
- Steckrübe (Brassica napus var. napobrassica; scharf und bitter, neutral; Yang unerstützend, positiv auf Qi wirkend, Blut tonisierend, Blut-Stagnation beseitigend, Hitze kühlend, Feuchtigkeit trocknend, schweißtreibend, Kälte austreibend, Yin sedierend, appetitanregend, gegenläufiges Qi verringernd, Gifte neutralisierend)
- Kürbis (Curcubita maxima; süß, neutral; Qi und Blut tonisierend, Feuchtigkeit (Schwellungen, Ödeme) trocknend, schweiß- und mild harntreibend, abführend bei Verstopfung)
- Kastanie (Castanea vesca; süß, warm, Yang unterstüzend, Qi und Blut tonisierend, positiv auf Qi wirkend, Blut-Stagnation beseitigend, Kälte austreibend, Magen/Milz nährend, Nieren und Knochen tonisierend, Sehnen stärkend, Blut aktivierend, Shen beruhigend).
- Meeresalgen/Seegemüse (salzig, kalt; Hitze kühlend, Trockenheit befeuchtend, Yin tonisierend, Hartes erweichend, entgiftend, Schleim umwandelnd, positiv auf Wasseransammlung (Ödeme) wirkend). Sie sollten nur als Bestandteil von Suppen gegessen werden, weil auch sie zu den Xue bewegenden Nahrungsmitteln gehören.
Zum Absenken von emporschlagendem Leber-Yang eignen sich Tomate, Stangensellerie, Spinat, Zitrone und grüner Tee.
Die Speisen sollen auf der Grundlage dieser Regeln zugleich der Jahreszeitz angepaßt sein, d.h. im Frühling und Sommer sollten eher leichte, die Säfte fördernde und leicht kühlende Nahrungsmittel vorherrschen. Hier sind auch Salate angebracht, jedoch immer in Verbindung mit warmen Speisen.


4. Zu meidende und empfehlenswerte Nahrungsmittel
Neben den oben erwähnten nährenden Nahrungsmitteln gibt es noch einige weitere Hinweise:
- Blähungen fördernde Nahrungsmittel wie Gebratenes und Nudeln sollten auf geringe Mengen reduziert werden, reichhaltige Früchte wie Mango, Avocado und Oliven sollten gemieden werden. - Schwangere sollten Substanzen meiden, die leicht in die Placenta gelangen gelangen und das Kind beeinträchtigen können wie Alkohol, Zigaretten und pharmazeutische Produkte wie schmerzstillende und Beruhigungsmittel. - Allgemein, sind Nahrungsmittel während der Schwangerschaft zu meiden, die vom Geschmack als auch vom Temperaturverhalten zum Extrem ausschlagen (zu kalt, zu heiß, zu scharf, zu bitter usw.).
Zu den Heilmitteln, die das Blut halten und nähren und die besonders in der Schwangerschaft angezeigt sind, gehören Blüten-Pollen (tägl. 1 TL nüchtern), Brennessel, Hafer-Urtinktur und Alfalfa-Sprossen. Diese Mittel sind insbesondere in den Tagen wichtig, in denen es keine oder nur in geringem Maße frische nährende Gemüse gibt oder die erhältlichen Nahrungsmittel keine gute Qualität haben.
Alfalfa (Keimlinge / Sprossen der Luzerne; neutral, bitter; Feuchtigkeit durch Diurese ausleitend, Milz und Magen harmonisierend, Dünn- und Dickdarm befeuchtend, Harnsteine beseitigend, Depression u. Melancholie lindernd, regenerierend). Sprossen können sehr gut alle pikanten Brotaufstriche, Suppen und Salate ergänzen.
In den ersten 10 Wochen liegt der Fötus höher im Abdomen und kann den Magen bedrängen, was zu Übelkeit und Erbrechen führen kann. Wenn sich der Embryo absenkt, verschwinden solche Symptome gewöhnlich, doch bleibt es weiterhin wichtig, eher kleine Mahlzeiten in geringeren zeitlichen Abständen zu sich zu nehmen.
Himbeerblätter stärken und nähren den Uterus während der Schwangerschaft. Es ist diesbezüglich ein universales Heil- und Stärkungsmittel und sollte während der ganzen Zeit als Infus täglich eingenommen werden. Himbeerblätter normalisieren und erleichtern alle Wechsel und Ereignisse zwischen Empfängnis und Wochenbett.

Yun Qi - Zeit der Schwangerschaft (Grasschrift).
Kalligraphien vom Autor
5. Schwangerschaftsübelkeit
Besonders in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten schlägt zuweilen die Leber-Energie unkontrolliert nach oben. Dies kann zu Übelkeit und Schwindelgefühl führen. Das verringerte Yin der Leber ist dann der Grund für die Gelüste der Schwangeren nach Saurem. Das Saure wirkt zusammenziehend, die Säfte erhaltend, Säftebildung anregend, vor Säfteverlust schützend, emporschlagendes Yang absenkend. Das könnte dann die saure Gurke sein.
Morgendliche Übelkeit kann nach Holmes behoben werden mit einer Tasse Isländisch Moos, Pfefferminze oder frischem Ingwer, sollte aber stets im Kontext des gerade vorherrschenden Syndroms angewendet werden. Ursachen der Übelkeit während der Schwangerschaft sind im wesentlichen: - Unausgeglichenheit zwischen Leber und Magen (bitterer Mundgeschmack, Übelkeit und Schwindel); Therapie: Leber-Qi absenken, Magen harmonisieren; - Leere von Milz und Magen (Übelkeit, Erbrechen klaren Wassers, blasse Zunge);
Therapie: Ergänzen und Stützen des Qi der Mitte.
Bei Schwangerschafts-Übelkeit hilft auch die Einnahme eines Breis aus 100 g Klebreis, der viermal täglich gegessen wird.
Viele schwangere Frauen bekommen oft großen Hunger, essen größere Mengen und sind dann stärker gereizt und empfindsam. Sie fühlen sich voll und blockiert. In solchen Situationen kann leicht Hitze und Feuer im Körper entstehen. Da viele chinesische Kräuter in der Schwangerschaft kontrainduziert sind oder mit großer Vorsicht genommen werden sollten, ist der beste Weg zur Korrektur dieser Entwicklung die Ernährung.
Frauen, die an Erbrechen während der Schwangerschaft leiden, sollten Nahrungsmittel mit fischigem Geschmack oder Geruch, fettige oder schwer verdauliche Speisen meiden. Darüberhinaus können die Nahrungsmittel durchaus nach dem Geschmack der schwangeren Frau ausgesucht, jedoch mit einer sehr kleinen Menge der begehrten Speise (gleichgültig ob "gesund" oder nicht) befriedigt werden. Häufig verspüren schwangere Frauen, insbesondere in den ersten Schwangerschaftswochen, auf alles mögliche Appetit. Wenn der Appetit mit einem oder zwei Bissen gestillt ist, sollte die Schwangere möglichst nicht weiteressen.
In der späteren Phase der Schwangerschaft, wenn der Fötus sich entwickelt hat, kann die aufsteigende und absteigende Funktion des Qi beeinträchtigt werden und dadurch Qi-Stagnation hervorrufen. Deshalb müssen Nahrungsmittel, die das Qi stauen und die adstringiend sind, unbedingt gemieden werden.
6. "Fötale Toxine" (Tai Du)
Hitze-Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit sog. fötalen Toxinen, einem Konzept, das es in der westlichen Medizin so nicht gibt. Damit werden Hitze-Pathogene bezeichnet, die auf den Fötus übertragen werden, und zwar auf zweierlei Weise.
Die erste Möglichkeit besteht während der Empfängnis. Hier werden Toxine, die sich durch nicht ausgeleitete Hitze-Erkrankungen gebildet haben, über das Jing der Eltern auf den sich entwickelnden Embryo übertragen. Die zweite Möglichkeit ist, daß sich Toxine während der Schwangerschaft durch innere Hitze der Mutter bilden, hervorgerufen durch falsche Diät oder Lebensweise. Die Folge davon sind in der Regel Hitze-Erkrankungen während der frühen Kindheit wie Masern, Windpocken oder Scharlach oder auch ideopathische Staphylococcen-Infektionen. Die TCM geht davon aus, daß solche Infektionen wie Masern oder Windpocken ihren normalen Verlauf nehmen und nicht unterdrückt werden sollten. Wenn ein Kind die Erkrankung überstehen kann ohne einschneidende Intervention, werden die meisten fötalen Toxine aus dem Körper des Kindes ausgeleitet und werden so zum einem höheren Grad an Gesundheit beitragen.
7. Nach der Entbindung
Frauen nach der Geburt sind anfällig gegen über Blut- und Yin-Säfte-Verlust, Blut-Stagnation und Leere-Syndromen, und sie haben zugleich Milch zu produzieren, um das Baby zu füttern. Die Muttermilch ist eng verwandt mit dem Xue.
Zu vermeiden sind Nahrungsmittel mit scharfem Geschmack (die dazu tendieren, das Yin zu verletzen), Nahrungsmittel mit kaltem Temperaturverhalten (z.B. rohe Nahrungsmittel) und solche mit saurem oder adstringierenden Geschmack, weil sie die Säfte zurückhalten. Als Folge der Niederkunft gibt es einen größeren Bedarf an Blut, sodaß insbesondere Nahrungsmittel mit höherem Protein-Anteil wichtig sind. Trotzdem sollten Frauen nach der Niederkunft nicht zu viel Fleisch oder schwer verdauliche oder erhitzende Nahrungsmittel essen, weil diese Reizbarkeit verstärken können.
Die Mutter sollte nicht stillen, wenn sie gerade gegessen hat, aber auch nicht, wenn sie hungrig ist, nicht wenn sie friert oder es ihr zu heiß ist, auch nicht, wenn sie eine Erkältung hat oder kalte Nahrungsmittel gegessen hat.
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